25. Februar 2011
Vor allem Facebook und Apple versuchen seit einigen Jahren mit aller Macht innerhalb des offenen WWW proprietäre, also geschlossene Welten zu etablieren, die allein ihrer Kontrolle unterliegen. Insbesondere im Apple-Kosmos gilt quasi ein eigenes Pressegesetz: Das Unternehmen schreibt seinen Geschäftskunden per Richtlinie vor, was und in welcher Form auf seiner iTunes-Plattform und in den Apps zu lesen und zu sehen sein darf. In den Apps der Bildzeitung beispielsweise sind schwarze Balken über vermeintlich unangemessen expliziten Fotomotiven dokumentiert – wohl eine Konzession an Apple. Die Reichweite dieser Richtlinien wächst beständig: Angetrieben durch die äußerst erfolgreichen und unbestreitbar attraktiven Hardware-Produkte iPhone und iPad steigt die Zahl der Medienanbieter auf der Apple-Plattform und jede neue Medien-App vergrößert die reglementierte, kontrollierte Zone.
Auch wenn die Regularien sicher nicht vergleichbar sind mit jenen in totalitären Staaten wie China oder Iran: Sie entfalten einschränkende Wirkungen auf das Spektrum öffentlich zugänglicher Information, beeinflussen als (selbst-)zensierender Faktor schon die Themenfindung und damit das Vorfeld journalistischer Recherche. Google wiederum versucht, diese offensichtlich gewordenen Probleme der Konkurrenz auf seiner Android-Plattform zu vermeiden und daraus einen Vorteil zu ziehen, arbeitet im Web allerdings nicht minder engagiert daran, seine marktdominierende Position auszubauen. Für den Journalismus insgesamt ist diese Konstellation hochproblematisch, denn sie führt geradewegs in Abhängigkeiten von den Plattformanbietern, kritische Berichterstattung ist im Grenzfall mindestens in Frage gestellt.

Ausgewählte Fotos in der Bildzeitungsapp sind auf dem iPhone geschwärzt (oben rechts und Mitte)

Im Zoom: Teilgeschwärztes Foto in der Bildzeitungsapp
Aus journalistischer Sicht in die richtige Richtung gehen deshalb Initiativen wie jene von Knight Ridder Foundation und Mozilla: Sie setzen auf die Möglichkeiten offener Web-Anwendungen und fördern sie. Jüngst wurde dazu die Initiative Knight-Mozilla News Technology Partnership gestartet, an der neben BBC, The Boston Globe und The Guardian auch Zeit Online als Partner beteiligt ist. Chefredakteur Wolfgang Blau notiert dazu auf zeit.de: “Ziel dieser neuen Partnerschaft ist die gemeinsame Entwicklung von Web-Anwendungen, die auf Open-Source-Technologien basieren und den Gedanken des offenen Internets stärken.” So wie es sich für ein Open Source-Projekt gehört, sollen die Arbeitsergebnisse des Fellowship-Programms allen journalistischen Websites zur Verfügung stehen – nicht nur den Entwicklungspartnern. Wer selbst daran mitwirken will, kann sich über einen Listserver in die Diskussion einbringen.
Das internationale Projekt wird von der Mozilla Foundation geleitet, die u.a. auch die Entwicklung des Firefox-Browsers koordiniert. Ermöglicht wird die „Knight-Mozilla News Technology Partnership“ durch eine Förderung der amerikanischen Knight Foundation in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar. Zeit Online nutzt bereits heute Open-Source-Technologien, unter anderem für das Redaktionssystem, die Blogs und für Community-Funktionen. “Auch unsere touchscreen-optimierte HTML5-Website”, so Blau, “ist Ausdruck unseres Bekenntnisses zu offenen Standards und einem offenen Netz.”