Die Text-Umkleidekabine (2):
Colin Firth in The King’s Speech

26. Februar 2011

Variation 2: Stotternd

Im A-A-Autobus der Li-li-linije ES, zzzur Hauptver-kä-kä-kährszeit. Ein K-K-Kerl von etwa se-se-sechsundzwanzig Jahren, we-we-weicher Hut mit Ke-Ke-Kordel anstelle des Bandes, zu laaah-la-langer Hals, als hatte man dran gezogen. Le-Le-Leute steigen aus. Der in Frage stehende Ke-Ke-Kerl ist über seinen Nachbarn er-be-ost. Er wirft ihm vor, Ihn je-je-jedes Mal, wenn jemand vorbei-ke-ke-kommt, anzurempeln. We-We-Weinerlicher Ton, der böse klingen soll. Als er einen leeren Pö-Pö-Platz sieht, stürzt er. Sich drauf.

Ze-Ze-Zwei Stunden später sehe ich Ihn an der Ku-Kuh-Cour de Romm-me, vor der Gahr Sannt-Lazaahr, w-w-wieder. Er ist mit einem Ka-Ka-Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: “Du solltest dir noch einen Kö-nopf an deinen Überzie-här nähen lassen.” Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und w-w-warum.

Und was soll dieser Text? Dieser Text ist eine Stilübung nach dem Muster von Raymond Queneau. Mehr darüber erfahren Sie auf der Einführungsseite: Schreibübung zum Mitmachen: Die Text-Umkleidekabine

Der TfW-Praxistipp (2):
Fotografieren mit der fliegenden Kamera

25. Februar 2011

Fotografieren aus dem Hubschrauber oder aus dem Flugzeug ist nicht neu. Fotografieren mit ferngesteuerten Flugdrohnen für zivile Zwecke dagegen schon. Vorteile bieten die kamerabestückten Quadrokopter nicht nur in den deutlich niedrigeren Kosten gegenüber Miethelikoptern, sondern auch in den Motiv-Möglichkeiten: Die fliegenden Kameras können beispielsweise über öffentlichen Plätzen oder Straßen in so niedriger Flughöhe stehen, wie es bemannten Fluggeräten verboten ist. (Bildrechte abgebildeter Personen sind selbstverständlich zu beachten.)

Grundsätzlich kann man natürlich auch vom Hubschrauber aus mit dem Teleobjektiv an ein gewünschtes Motiv heranzoomen, das gilt aber nur für Winkel nahe einer Vertikalen, also beispielsweise steil von oben nach unten. Wenn es dagegen eher um horizontal orientierte Perspektiven aus niedrigen Höhen geht, spielen Kameradrohnen ihren fotografischen Vorteil aus: Sie können beispielsweise Gebäudekanten im zehnten Stock von außen im Anschnitt zeigen und damit von dort fotografieren, wo sonst niemand hingelangt. Das Bildmotiv wird dabei live über eine Telebrille vom Boden aus kontrolliert, der Pilot oder ein Begleiter sehen per TV-Brille also mit den Augen der Kamera.

Flugdrohnen-Fotos der Hamburger Hafencity


Die hier gezeigten Fotos habe ich per fliegender Kamera in den vergangenen Jahren für eine Langzeit-Foto-Dokumentation über Hamburgs Hafencity produziert. Eingesetzt wurde dazu ein Microdrones-Fluggerät von Flying-Digicam aus Hude bei Bremen. Firmen-Inhaber Peter Mora gehört zu den Drohnenfotografie-Pionieren in Deutschland.

Frischer Wind: Wider die Apple-, Google- und Facebook-Monokultur

25. Februar 2011

Vor allem Facebook und Apple versuchen seit einigen Jahren mit aller Macht innerhalb des offenen WWW proprietäre, also geschlossene Welten zu etablieren, die allein ihrer Kontrolle unterliegen. Insbesondere im Apple-Kosmos gilt quasi ein eigenes Pressegesetz: Das Unternehmen schreibt seinen Geschäftskunden per Richtlinie vor, was und in welcher Form auf seiner iTunes-Plattform und in den Apps zu lesen und zu sehen sein darf. In den Apps der Bildzeitung beispielsweise sind schwarze Balken über vermeintlich unangemessen expliziten Fotomotiven dokumentiert – wohl eine Konzession an Apple. Die Reichweite dieser Richtlinien wächst beständig: Angetrieben durch die äußerst erfolgreichen und unbestreitbar attraktiven Hardware-Produkte iPhone und iPad steigt die Zahl der Medienanbieter auf der Apple-Plattform und jede neue Medien-App vergrößert die reglementierte, kontrollierte Zone.

Auch wenn die Regularien sicher nicht vergleichbar sind mit jenen in totalitären Staaten wie China oder Iran: Sie entfalten einschränkende Wirkungen auf das Spektrum öffentlich zugänglicher Information, beeinflussen als (selbst-)zensierender Faktor schon die Themenfindung und damit das Vorfeld journalistischer Recherche. Google wiederum versucht, diese offensichtlich gewordenen Probleme der Konkurrenz auf seiner Android-Plattform zu vermeiden und daraus einen Vorteil zu ziehen, arbeitet im Web allerdings nicht minder engagiert daran, seine marktdominierende Position auszubauen. Für den Journalismus insgesamt ist diese Konstellation hochproblematisch, denn sie führt geradewegs in Abhängigkeiten von den Plattformanbietern, kritische Berichterstattung ist im Grenzfall mindestens in Frage gestellt.

Ausgewählte Fotos in der Bildzeitungsapp sind auf dem iPhone geschwärzt (oben rechts und Mitte)

Im Zoom: Teilgeschwärztes Foto in der Bildzeitungsapp

Aus journalistischer Sicht in die richtige Richtung gehen deshalb Initiativen wie jene von Knight Ridder Foundation und Mozilla: Sie setzen auf die Möglichkeiten offener Web-Anwendungen und fördern sie. Jüngst wurde dazu die Initiative Knight-Mozilla News Technology Partnership gestartet, an der neben BBC, The Boston Globe und The Guardian auch Zeit Online als Partner beteiligt ist. Chefredakteur Wolfgang Blau notiert dazu auf zeit.de: “Ziel dieser neuen Partnerschaft ist die gemeinsame Entwicklung von Web-Anwendungen, die auf Open-Source-Technologien basieren und den Gedanken des offenen Internets stärken.” So wie es sich für ein Open Source-Projekt gehört, sollen die Arbeitsergebnisse des Fellowship-Programms allen journalistischen Websites zur Verfügung stehen – nicht nur den Entwicklungspartnern. Wer selbst daran mitwirken will, kann sich über einen Listserver in die Diskussion einbringen.

Das internationale Projekt wird von der Mozilla Foundation geleitet, die u.a. auch die Entwicklung des Firefox-Browsers koordiniert. Ermöglicht wird die „Knight-Mozilla News Technology Partnership“ durch eine Förderung der amerikanischen Knight Foundation in Höhe von 2,5 Millionen US-Dollar. Zeit Online nutzt bereits heute Open-Source-Technologien, unter anderem für das Redaktionssystem, die Blogs und für Community-Funktionen. “Auch unsere touchscreen-optimierte HTML5-Website”, so Blau, “ist Ausdruck unseres Bekenntnisses zu offenen Standards und einem offenen Netz.”

Datenjournalismus: Das Bewegungsprofil des GRÜNEN-Politikers Malte Spitz

25. Februar 2011

Die gesetzliche Vorratsdatenspeicherung stellt Sie und mich unter Generalverdacht und ermöglicht es beispielsweise, auf der Basis der Handy-Ortungsdaten exakte persönliche Bewegungsprofile nachzuzeichnen. Naja, tut ja nicht weh, glaubt so mancher, spürt man ja nicht, sieht man auch nicht. Zeit Online hat deshalb jetzt in einer interaktiven Grafik sichtbar gemacht, was es faktisch bedeutet, wenn persönliche Daten 1.) für Ermittlungsbehörden zugänglich sind und 2.) mit frei verfügbaren Daten aus dem Netz verknüpft werden. Der GRÜNEN-Politiker Malte Spitz hat dazu seine Daten von der TELEKOM eingeklagt und der Zeit Online-Redaktion für diese absolut sehenswerte Grafimation zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis ist ebenso faszinierend wie erschreckend.

Visuell in eine ähnliche Richtung geht auch ein Webvideo, das im Februar 2011 mit dem 1. Deutschen Webvideopreis in der Kategorie Dokumentation ausgezeichnet wurde. Der animierte Zwei-Minuten-Clip sehr eindrücklich, was es für jeden Bürger heißt, wenn überall persönliche Daten gesammelt und aggregiert werden. Titel: Du bist Terrorist.

Der Freitagnachmittaglink: Japan – fotografiert aus dem Fenster des Shinkansen

25. Februar 2011

Wegen der dramatischen Ereignisse in Japan habe ich die bunte Meldung über sehenswerte japanische Landschaften vorerst vom Blog genommen. Mit Blick auf die verwüsteten Landstriche und auf die betroffenen Menschen erscheint mir der Hinweis auf diese Bilder aktuell unangebracht.

Stefan Heijnk

S. 2 v. 131234510



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