Mashup-Dienst Storify: Aus User-Reaktionen eigene Geschichten mixen

Mashup steht im Web-Jargon für die Möglichkeit, unterschiedliche Inhaltquellen miteinander zu knüpfen, existierende Datenquellen zu (re-)kombinieren und so einen je eigenen, neuen Kontext zu schaffen. Storify ist ein solcher Mashup-Dienst. Die Idee der Macher: “Verwandeln Sie die Nutzer-Reaktionen in sozialen Medien zu neuen, unwiderstehlichen Geschichten”.

Rückgreifend auf Tweets, Fotos und Videos aus Web2.0-Quellen wie Facebook, Twitter oder Youtube können mit Storify einzelne Nutzerbeiträge aus den Postingströmen sozialer Medien herausgepickt und zu eigenen Geschichten zusammengestellt werden. Das Ganze klingt zwar nach Extreme-Copy-and-Paste, doch das Mixen soll mit Storify schneller und einfacher zu machen sein, als wenn man das Gesuche und Kopiere von Hand erledigt. So wird es jedenfalls versprochen.

Feedback-Extrakt als Artikel
Im Ergebnis entsteht dann etwas, das am ehesten als Feedback-Geschichte, Diskussionszusammenfassung oder Retrospektiv-Artikel zu bezeichnen ist – und dem Leser durchaus einen aufschlussreichen Extrakt von Nutzerreaktionen in Artikelform anbieten kann. Optisch ähneln die Storify-Artikel dabei dem Layout von Facebook- oder WordPress-Blogseiten. Eben webzweinullig.

Nützlich kann der Service beispielsweise auch sein, um Themenkarrieren in sozialen Medien als Artikel zu dokumentieren oder um die Reaktionen auf eine Pressemitteilung oder auf einen Artikel nicht nur in den Kommentarspalten der eigenen Site festzuhalten, sondern auch von Offsite einzuholen.

Gestoßen bin ich auf Storify in einem Blog-Posting von Steve Buttry zu der Frage, ob Zeitungsschlagzeilen im Internet-Zeitalter noch eine Chronistenpflicht erfüllen müssen oder die eigentliche Nachricht als bekannt voraussetzen dürfen. Die mit Storify eingefangenen und geordneten Nutzerreaktionen in Buttrys Post zeigen, dass ein solches Publikationsmuster sinnvoll, weil übersichtlich zusammenfassend sein kann.

Einige andere Beispiele aus dem Kreis der prominenten Storify-Betatester (wie Washington Post, Libération, Los Angeles Times, De Volkskrant) sind da vergleichsweise weniger gut gelungen. Melissa Bell von der Washington Post beispielsweise dokumentiert mit Storify das Leser-Feedback auf ausgewählte WashPost-Blogeinträge und -Artikel, vergisst dabei aber manchmal den Link auf den Ausgangsartikel zu setzen, etwa in einem Storify zur Geschichte über Valentinstags-Geschenke. Da fehlt dem Leser dann einfach der Bezugspunkt. Besser macht es Beta-Tester The Stream, einem TV-Programm mit Facebook-Community, denn da steht das diskutierte Video gleich am Kopf der Storify-Geschichte und jeder weiß sofort, worauf sich die Kommentare inhaltlich beziehen. Auch mit diesem Storify sind interessante Fragen verbunden: Das Video zeigt gewissermaßen Best-of-Video-Bilder der ägyptischen Revolution, zusammengeschnitten im MTV-Stil und mit Rap-Gesang unterlegt – ist das noch eine angemessene Hommage für mutige Menschen oder werden die Bilder zum Marketingvehikel herabgewürdigt? Ähnliche Videos wurden auch in ernsthafteren, deutschen Nachrichtensendungen gezeigt.

Die Storifies lassen sich im Web übrigens auch crosspublizieren, denn der Dienst generiert zu jeder Geschichte einen Embed-Code ähnlich wie es das bei Youtube für die Videos gibt.