Der TfW-Praxistipp: Lassen Sie Fotomotive zum Text schauen

Wirkungsforschungen aus der Werbepsychologie und dem Neuromarketing liefern immer wieder nützliche Hinweise, die auch für die Optimierung redaktioneller Websites herangenzogen werden können. Etliche Studien aus diesen Disziplinen befassen sich beispielsweise mit der blicklenkenden Wirkung von Fotos. Stellen Sie sich deshalb einmal vor, sie sollen ein Foto auf die Startseite Ihrer Website stellen, um ein Shampoo zu bewerben und haben diese beiden Fotos zur Auswahl:

Für welches Motiv würden Sie sich entscheiden?

Die Heatmap zeigt, mit welchem Foto das Shampoo mehr Blickkontakte bekommt (rote Zonen):

Blickrichtung: Die Heatmap zeigt, dass das Shampoo im linken Bild mehr Blickkontakte bekommt.

Das rechte Foto ist also nur die zweitbeste Wahl. Der Blick der Frau zielt nicht auf das Shampoo, sondern auf Sie als Betrachter(in). Das ist zwar nicht schlecht und schon gar nicht unangenehm, trotzdem ist das linke Foto die bessere Wahl, denn darauf schaut die Frau zum Shampoo – und die Blicke der Betrachter folgen ihr.

Der Motiv-Aspekt “Blickrichtung” lässt sich auch für die Blicklenkung auf einer Webseite nutzen: Auch aus anderen Eyetracking-Forschungen ist bekannt, dass Menschen (bei sonst nachrangig interessantem Kontext) gern dorthin schauen, wo auch andere hinschauen (siehe Baby-Eyetracking). Das können Sie auch ganz einfach überprüfen, in dem Sie sich bei Gelegenheit einmal an einen exponierten öffentlichen Platz stellen, dort stehenbleiben und dann stur in die Luft starren. Sie werden sehen: Andere Passanten tun es Ihnen gleich und folgen Ihrem Blick.

Bevorzugen Sie deshalb auf Ihren Webseiten möglichst Fotomotive mit deutlich zu erkennender Blickrichtung. Und achten Sie darauf, dass diese Blickrichtung möglichst auf ein aufmerksamkeitsstarkes Element der betreffenden Webseite zielt, sei es innerhalb des Fotos oder neben/über/unter dem Foto. Auf diese Weise können Sie den Blickverlauf Ihrer Nutzer beeinflussen und dorthin lenken, wohin er gelenkt werden soll.

Natürlich dürfen und sollen Sie auch andere Motive einsetzen, in Ihren Werkzeugkasten fürs Seitenlayout gehören allerdings eben auch die blicklenkenden Motive. Nutzen Sie sie immer dann, wenn es im visuellen Kontext sinnvoll ist.

Weiterführende Links:

Der Bunnyfoot-Eyetracking-Test (Shampoo)

Der Baby-Eyetracking-Test von Usableworld.com