Bitte jetzt vollmüllen: Der Floskelmülleimer


Ein typischer Nachrichten-Lese-Hör-Guck-Tagesablauf läuft bei mir in etwa so ab: Ich schlage morgens die Zeitung auf, und der Aufmachervorspann endet mit “…und die Kämpfe in Libyen werden immer blutiger.” Während der Autofahrt zur Arbeit dann die Hörfunk-Nachrichten, die erste Meldung startet mit: “Das hat gerade noch gefehlt: Immer mehr Menschen trauern um Eisbär Knut…”. In der Mittagspause per Smartphone auf der Mobilsite eines Automagazins: “Verkehrssicherheit: Es kracht immer weniger”. Zwischendurch dann am Bürorechner auf der Website einer Tageszeitung: “Immer mehr Erwachsene sind Gurtmuffel.” Und abends in den Fernsehnachrichten auch noch das: “Bundesaußenminister Guido Westerwelle beklagt, dass der Krisenstab des Auswärtigen Amtes wegen der großen Reiselust der Deutschen immer mehr Arbeit bekommt”.

Es ist echt die Pest. Liebe Redakteurinnen und Redakteure, liebe Praktikantinnen und Praktikanten, bitte denken Sie bei der nächsten Meldung daran: Nachrichtenaufhänger mit “immer” gehören absolut immer in die Tonne! Auf N-immerwiedersehen sozusagen. (Und ich gelobe: Ich will mich auch selbst daran halten!)

Meine Studierenden an der FH in Hannover wissen das schon lange, und ich hoffe, dass sie diese Weisheit irgendwann auch in die Redaktionen tragen. Ob die Immer-mehr-immer-öfter-immer-schlimmer-Pest dann endlich final therapiert sein wird, bleibt – (oh,oh) – abzuwarten. Möglicherweise stehen die Nachfolger des Immermehrismus und des Bleibtabzuwartenismus ja schon in den Startlöchern (uups!) und werden just in diesem Moment bereits auf die ersten Seiten gekloppt.

So oder so: Vermutlich bleibt noch ausreichend Zeit, um dem Immermehrismus-Rauschen in den Medien weiter zu lauschen – und sich nebenbei auch der vielen anderen wunderschönen Floskeln des journalistischen Sprachgebrauchs zu erfreuen.

Damit dieser Schatz nicht verloren geht, soll diese Seite als Sammelstelle für Floskelmüll dienen. Machen Sie einfach mit, laden Sie den Schutt hier ab und posten Sie die schönsten schlimmsten Fundstücke als Kommentar. Möglichst immer immer immer, bitte! ;-)

  • Stefan Heijnk

    Und los geht’s:

    “Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen an sich gezogen…”

    “Marodierende Banden beherrschen die Straßen der Hauptstadt…”

    “Im Norden kommt es am Freitag zu ergiebigen Niederschlägen…” (aua!)

    “Der deutsche Exportmotor brummt wieder…”

    “Die Weichen für Stuttgart 21 sind gestellt…”