Multimediale Erzählformen:
Das personalisierte, geocodierte Musikvideo


Auch wenn das Musikfernsehen tot ist – das Musikvideo war nie lebendiger, schreibt die Zeit. Und verweist darauf, dass sich das Popvideo im Netz sich zur interaktiven Form wandelt. “Noch nie in der Geschichte des Genres gab es eine solche ästhetische Umwälzung”, so Rabea Weihser auf Zeit Online.

Das erscheint zwar etwas arg in kräftigen Farben gemalt, trotzdem ist das Beispiel The Wilderness Downtown ein ungewöhnliches Modell: “Gib den Namen deiner Heimatstadt ein. Dann drücke auf Play, und die Straßen deines Gedächtnisses werden zur Kulisse eines Musikvideos. Ein dunkler Läufer macht sich auf den Weg, virtuelle Vögel bevölkern die Dächer, animierte Bäume brechen durch den Asphalt vor deiner Haustür. Du bist Teil dieses Videos.” Genau. Und jeder kann es selbst ausprobieren.

Regisseur Chris Milk hat hier ein musikunterlegtes Popup-Potpourri aus Browserfenstern inszeniert, lädt dazu Bilddaten aus Google Street View und vorproduzierte Videosequenzen in die Popups. Und im Ergebnis wird der Bildschirm zum Fenster auf ein personalisiertes Pointilistychon, auf ein mehrteiliges Fragmentebild.

Das Eigentliche rückt in dieser Performance allerdings eher an den Rand: Der Song We used to wait von Arcade Fire wird mehr oder weniger zum Audioteppich degradiert. Aber das ist in manch anderen, weniger interaktiven Musikvideos wohl auch so.

Weiterführende Links

http://www.thewildernessdowntown.com/
(empfohlen für den Chrome-Browser)