Bessere iPad-Usability: Jakob Nielsens neue Studie als kostenloser Download

24. Mai 2011


Jakob Nielsen wurde schon vor Jahren von der New York Times in den Rang eines Usability-Gurus erhoben, seine rigide Sichtweise macht ihn für manchen Web-Developer allerdings gelegentlich zum roten Tuch.

Trotzdem gehört er zu jenen Usability-Consultants, deren Meinung weltweit registriert und auch kontrovers diskutiert wird. Bei aller zuweilen sicher auch verständlichen Kritik: Nielsen hält kompromisslos das Bewusstsein dafür wach, das Websites (und damit auch ihre Navigation) in erster Linie nur einem Ziel dienen – den Nutzern einen klaren Nutzen zu bieten.

Nielsens Website-Usability-Mantra ist das KISS-Prinzip, die Abkürzung steht für Keep It Simple and Short. In den Anfängen des WWW ergründete er die Problemzonen regulärer Websites und ermahnte Websitemacher dazu, ihre Sites einfach zu halten und nicht mit Schnickschnack zu überfrachten.

Seit Apple das iPad auf den Markt gebracht hat, kümmert sich Nielsen nun auch um die Usability von Tablet-Apps. Vor gut einem Jahr hat er in einer ersten explorativen Studie auf typische Usability-Probleme in iPad-Apps hingewiesen. Jetzt hat er eine zweite, ausführlichere Betrachtung nachgereicht.

Drei Dinge, so Nielsen, seien aktuell besonders augenfällige und gleichzeitig einfach zu vermeidende Fehler:

Überflüssige Splashscreens: Splashscreens sind Startseiten, die die Ladezeit überbrücken sollen und kurz erläutern, was es im Folgenden zu sehen gibt. Auf den regulären Websites sind sie längst verschwunden. In den Apps wiederauferstehen sie. Dazu Nielsen: “We thought we had driven a stake through splash screens many years ago and eradicated them from the Web, but apparently splash screens are super-vampires that can haunt users from beyond the grave. Several new iPad apps have long introductory segments that might be entertaining the first time, but soon wear out their welcome. Bad on sites, bad in apps. Don’t.”

Wisch und weg: Zu den Standard-Gesten in der App-Bedienung zählt die Wisch-Geste. Wer umblättern will, wischt beispielsweise von rechts nach links – gegen die Leserichtung also. Nielsen hat in seiner Studie registriert, dass diese Wisch-Funktionalität oft nicht sauber umgesetzt wird: “Swipe ambiguity plagued users when multiple items on the same screen could be swiped. Carousels often caused this usability problem in apps that also relied on swiping to move between pages. Many users couldn’t turn the page because they swiped in the wrong spot. Their typical conclusion? The app is broken.”

Zu viel Navigation: Nielsen nennt dieses Problem kurz TMN. Das steht für Too Much Navigation, es klingt wie eine Krankheit. Ein Beispiel für TMN seien die vielfach überflüssigen Popover-Menüs, also etwa die per Fingertipp aufzurufenden aufliegenden Inhaltsverzeichnisse. Zu viele Navigationselemente seien vor allem deshalb ein Usabilityproblem, weil sie dem wirklich Wesentlichen – dem Inhalt – wertvollen Platz rauben.

Wer mehr erfahren will: Hier gibt es die 129 Seiten von Raluca Budiu and Jakob Nielsen als kostenloses PDF (Dateigröße: 14 MB)

publiziert in Usability/UX
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