29. Juni 2011

Hab vorhin beim Mittagessen mit einem guten Freund über diese Frage geplaudert: Wie und wann liest Du Deine Zeitung?
Bei mir geht das so: Die Morgenlektüre startet bei mir mit dem Blick in meinen Pulse-Feedreader auf dem iPad. Zusammengestellt aus frei gewählten Newsfeeds habe ich damit einen erstklassigen Überblick über das aktuelle, allgemeine Nachrichtengeschehen und die Fachnachrichten im Besonderen – von Abendblatt und MoPo über Tagesschau und heute bis hin zu Mashable und Readwriteweb. Obendrauf gibt’s ein paar Lust-und-Laune-Feeds fürs Schmunzellesen zum Tagesbeginn.
Abonniert habe ich die Süddeutsche als Digitalausgabe plus die papierenen Freitags- und Samstagsausgaben (für meine norddeutschen LeserInnen: die Sonnabendausgaben) im Wochenendabo. Die Digitalausgabe lese ich während der Woche vorzugsweise am Abend auf dem iPad in der gerade aktuellsten Ausgabe (ab 17 Uhr werden die Ausgaben online gestellt, erst die Fern-Ausgabe, später dann die München-Ausgabe). Bevorzugte Ressorts sind Feuilleton und Sport.
Insgesamt lese ich während der Arbeitswoche allerdings nicht an jedem Abend, sondern eher gelegentlich, je nach Lust und vor allem abhängig vom Blick auf die Uhr, sofern es Vaterpflichten und das Berufliche also noch zulassen.
Zeitunglesen am Wochenende
Im Grundsatz ist das auch am Wochenende nicht anders. Mit 3 Unterschieden: Ich lese dann die Papierausgaben. Ich registriere dabei, dass ich relativ länger lese, mindestens gefühlt (gemessen habe ich das nicht). Und: Ich bleibe öfter an Themen aus den anderen Ressorts hängen. Das kann natürlich daran liegen, dass mir Papier grundsätzlich immer noch angenehmer ist (Ok, vielleicht oldschool, bei mir ist’s aber so). Und natürlich auch daran, dass da etwas mehr Zeit ist, meist am Sonntag.
Was mir beim Lesen der SZ auf dem iPad fehlt, ist ein automatischer Download der aktuellen Ausgabe: Ich will einfach nicht jedes Mal wieder aufs Neue dieses ganze Prozedere aus Abodaten-Eingabe, Datumsauswahl, Ausgabenauswahl, Herunterladezeit-Abwarten durchlaufen. Was ich will ist: mein iPad einschalten und die aktuelle Ausgabe ist da. Punkt. (Könnte das mal bitte jemand einrichten? Danke.)
Und das Hamburger Abendblatt
Beim Hamburger Abendblatt bin ich Digitalabonnent. Da gibt es eine Vorgeschichte: Ich hatte das Blatt etwa zehn Jahre im Papier-Vollabo, der Zustellservice war aber dermaßen unzuverlässig, dass ich irgendwann kündigte. Eine Nachfassaktion durch den Abendblatt-Vertrieb gab’s nicht. Nicht mal ein “Wir Bedauern”-Schreiben. Reaktion also gleich Null, meine Kündigung war dem Springer-Verlag schnuppe. Dann ein paar Jahre Pause, in der Woche gelegentlich Käufe am Kiosk. Mit dem iPad im Haus dachte ich mir dann: OK, versuch’s nochmal, schließ ein Digitalabo beim Abendblatt ab, da umgehst Du den Botenvertrieb. Hab ich dann auch gemacht. Ergebnis: Bin jetzt Digitalabonnent. Die aktuelle Ausgabe gibt es jeweils erst in der Nacht ab vier Uhr. Vorabend-Lektüre unmöglich. Das ist schon mal ganz schlecht.
So vergrault man Digitalabonnenten
Und das Beste: Seit einigen Wochen kann ich das PDF auf dem iPhone (ja, richtig: iPhone!) nicht mehr lesen. Die App teilt mir mit: “Sie benutzen diesen Abocode bereits auf 5 Endgeräten”. Das ist definitiv zwar nicht der Fall, habe das auch schon mehrfach beim Aboservice reklamiert. Nur: Eine Lösung für das Problem gibt es nicht, nur immer wieder ein: “Da muss ich einen Spezialisten kontakten. Der ruft Sie dann zurück, Herr Heijnk.” Tut er aber nicht. Schon wieder bin ich dem Springer-Verlag schnuppe. Ob Herr Döpfner davon weiß? Wohl kaum. Ich glaub, ich muss da dringend eine Klage vorbereiten.
Um deftigeres Vorkabular zu vermeiden, nur dies: Ich fühle mich hier entschieden verapplet (non sic).
Der Anfang: von hinten oder von vorn?
Eine bestimmte Masche oder Leserichtung in der Zeitung habe ich nicht: Ich blättere mal von hinten nach vorn, dann von vorn nach hinten. Beigelegte Werbung und jene Zeitungsbücher, die ich nicht lese, fliegen sofort ins Altpapier (tja, das ist dann wohl ein Streuverlust). Was ich schon tue: Gelungene, beispielhafte Artikel reiße ich aus der Zeitung aus, lege sie auf einen Stapel und verwende das Material für meine Printjournalismus-Vorlesungen und -Seminare. Das mache ich übrigens auch mit allen anderen Zeitungen so, die ich – neben den Abos – am Kiosk kaufe.
Und wie ist das bei A.?
Bei meinem Freund A. sieht das Zeitunglesen ganz anders aus: Er nimmt sich morgens seine beiden vollabonnierten Zeitungen, die Süddeutsche und die FAZ, blättert sie jeweils erst einmal durch und fleddert sie. Bei ihm fliegen also nicht nur Werbung und uninteressante Zeitungsbücher gleich ins Altpapier, sondern alle uninteressanten Seiten. Alle.
Zuerst der Verriss
Sein Start in die Zeitungslektüre ist also ganz buchstäblich ein handgreiflicher Verriss. Das, was er sich an lesenswerten Artikeln ausgeguckt hat und als Seitenstapel übrig geblieben ist, liest er dann auch komplett durch. Ein iPad hat er nicht. Noch nicht, wie er sagt. Das Hamburger Abendblatt liest er in der Gratisversion auf dem iPhone.
Manchmal bedauert er seine brachiale Art der Artikelauswahl. Vor allem, wenn er von einem Freund gefragt wird: “Sag mal, hast Du den Artikel von X über Y gestern gelesen?” und der fragliche Artikel am Vortag nicht auf sein gnädiges Wohlwollen gestoßen war. Weg ist weg.
Sollten Sie dies mit Interesse gelesen haben, habe ich eine Bitte: Schreiben Sie gleich jetzt ein paar kurze Zeilen über Ihre Zeitungslektüre als Kommentar – völlig egal, ob Sie auf Papier lesen oder digital.
Ich möchte das Material sammeln, kuratieren und hier dann als Storify veröffentlichen. 1000 Dank fürs Mitmachen!