Der TfW-Praxistipp: So erstellen Sie attraktive Zeitraffer-Videos
2. August 2011Copyright: Gemini Observatory/AURA
Aus der Website-Nutzungsforschung ist bekannt, dass User besonders stark interessiert sind an Fotos, die den besonderen Moment eines Vorgangs fotografisch einfrieren. Nicht zufällig beispielsweise versammeln sich Pressefotografen auf großen Fußballturnieren beim Elfmeterschießen routinemäßig hinter dem Tor, auf das geschossen werden soll: Sie zielen mit ihren Kameras darauf, den Augenblick, der über Sieg und Niederlage entscheidet, im Bild festzuhalten.
Zugang zu sonst Unzugänglichem
Warum Motive dieser Art für viele Betrachter so attraktiv sind, hat vermutlich damit zu tun, dass es unserem naturgegebenen Sehapparat unmöglich ist, Standbilder zu erzeugen. Starke Fotomotive sind also vor allem solche, die über die physiologischen Möglichkeiten des Sehens hinausgehen und einen Zugang eröffnen zu sonst unzugänglichen visuellen Räumen.
Was für das Foto gilt, gilt ganz ähnlich auch für das Bewegtbild. Auch hier gibt es technische Optionen, die visuelle Wahrnehmung zu erweitern. Zu diesen Optionen gehören die bei den Nutzern sehr beliebten Zeitraffervideos. Auf der Videoplattform Vimeo.com etwa sind Zeitraffervideos eine der meistgefragten Kategorien.
Das Zeitraffer-Prinzip ist dabei sehr simpel: Um einigermaßen flüssige Bewegungen zu erzeugen, muss ein Film seinen Zuschauern mit mindestens 12 Bildern pro Sekunde gezeigt werden. Natürlich wirkende Bewegungen im Film setzen voraus, dass ein Bewegungsablauf mit 24 Aufnahmen pro Sekunde wiedergegeben wird. Eine (Film- oder Foto-)Kamera muss also im zeitlichen Abstand von 1/12 Sekunde bis 1/24 Sekunde Einzelbilder aufnehmen können, um Bewegungsabläufe als Bewegtbild festzuhalten.
Reale Zeit verdichten
Der Zeitraffereffekt stellt sich dann ein, wenn die zeitlichen Abstände zwischen den Aufnahmen vergrößert werden. In einer bestimmten Zeitspanne werden also relativ weniger Aufnahmen gemacht als es für natürlich wirkende Bewegungen üblich ist. Spielt man diese Aufnahmen dann in jenem Tempo ab, das eine Bewegungsillusion erzeugt, also mit mindestens 12 Bildern pro Sekunde, dann wird die Filmzeit unnatürlich verdichtet: Der Film wirkt, als würde er mit der Vorspultaste abgespielt.
Für alle, die es selbst einmal ausprobieren wollen, haben Videoprofis nützliche Tipps. Diese stammen aus der Feder von Dalas Verdugo, er schreibt für die Vimeo Video School:
• Turn off the auto focus, you don’t want this changing spontaneously during your shoot.
• Keep the camera motionless. Your subject will be doing all the work.
• Set your camera to manual exposure. You don’t want this changing every frame.
• Use slow shutter speeds to blur motion in the frame for a cool effect.
• Fast shutter speeds give a more choppy look.
• Take an image about once per second. This rate is up to you.
• A device called an “intervalometer” can automatically take frames for you at set intervals.
• Film/photograph your subject for a long period of time. At least one hour.
Der wichtigste Tipp aus der kleinen Liste ist es, unbedingt darauf zu achten, dass die Kameraposition während der Aufnahme nicht verändert, die Kamera also nicht bewegt wird. Sie sollten für ihre Zeitrafferaufnahmen also möglichst ein kleines Stativ verwenden.
Vor allem aber gilt: Suchen Sie sich ein spannendes Bildmotiv. Interessant sind häufig gerade jene Zeitraffer, die die Bewegung sich langsam bewegender Objekte sichtbar werden lassen. Zum Beispiel eine sich öffnende Blüte, der Lauf eines Schattens, das Schmilzen einer Eiskugel.
Es spielt dabei übrigens fast keine Rolle mehr, ob Sie eine Foto- oder eine Filmkamera einsetzen. Nur der Verarbeitungsprozess unterscheidet sich: Fotos werden mit einem Bildbearbeitungsprogramm als Zeitraffer arrangiert, Filmaufnahmen mit einem Videoschnittprogramm.
Zeitraffer per Smartphone-App
Und wer es sich ganz einfach machen will, der lädt sich einfach eine Zeitraffer-App auf sein Smartphone, die das Ganze vollautomatisch erledigt. Fürs iPhone beispielsweise gibt es Helferchen wie iZeitraffer, Everyday oder Timelapser.
Diese beiden Videos wurden mit der App Timelapser und einem iPhone 3GS produziert. Das Smartphone war mit einem flexiblen Tripod an der Reling des Schiffes befestigt.










