Die Faktenprüfer: Truthsquad verknüpft Crowdsourcing und Journalismus

25. Oktober 2011

Wenn Texte, Fotos, Audios und Videos in jeder Sekunde in ungeheurer Menge aus Millionen von Websites quellen, dann mangelt es nicht mehr an Daten, sondern an überpüfter vertrauenswürdiger Information.

So sieht es auch die US-Nonprofit-Organisation Newstrust, die sich spendenfinanziert darum kümmert, Qualität im Journalismus zu fördern. Geldgeber sind viele namhafte Medienunternehmen von AFP über Google bis zur Washington Post. Das jüngste Projekt von Newstrust ist die Truthsquad-Website, eine Plattform, die Journalisten und Webnutzer zusammenbringt, um Nachrichten-Fakten von -Fiktionen zu trennen.

Im Grundsatz ist das zwar nicht unbedingt eine revolutionär neue Idee. Interessant ist jedoch das Verfahren, denn Truthsquad verknüpft Crowdsourcing-Prozesse und journalistische Überprüfungsrecherche in besonders engmaschiger Weise. Das US-Branchenmagazin Editor & Publisher beschreibt es so:

Readers click on a quote, and each quote has links of related evidence to support or disqualify the claim. Readers can then add their two cents and mark whether they believe the quote is true, false, or mark that they’re not sure. And readers are welcome to change their answer as many times as they’d like, as more evidence continues to be presented. After a period of time, Truthsquad editors sift through the evidence and present a final verdict, declaring it true, false, mostly true, mostly false, or half true.

Der Unterschied zu anderen Factchecking-Plattformen liegt also einerseits in der Mitwirkung der Nutzer. Andererseits aber auch im strukturierten Mitwirkungsprozess: Das Mitmachen der Nutzer ist gebunden an Online-Fragebögen, in denen quellenkritische Fragen zu beantworten sind, ehe ein frei formuliertes persönliches Urteil veröffentlicht wird. Das Mitwirken folgt also typisch journalistischen Standards. Sämtliche Nutzereinschätzungen werden dabei fortlaufend auf einer eigenen Themenseite dokumentiert.

Damit am Ende des Überprüfungsprozesses die Nutzerurteile zur strittigen Frage nicht einfach als Pro und Contra nebeneinander stehen bleiben, versucht die Truthsquad-Redaktion zum Schluss ein strukturiertes Urteil über “wahr” und “falsch” zu fällen. Sie ist dabei gebunden an einen Gewichtungsschlüssel, der sicherstellen soll, dass ein Nutzer, der für sein persönliches Urteil relativ mehr Quellen gesichtet hat, im Schlussurteil auch stärker berücksichtigt wird.

Wie ein öffentliches Rechercheprotokoll
Alles zusammen wird dann in einem übersichtlich strukturierten Ergebnisdokument festgehalten: Oben die strittige Behauptung, darunter die redaktionelle Einordnung mit Abschlussurteil, dann die Dokumentation der Nutzerurteile und der gesichteten Pro-, Contra- und Neutral-Quellen – ganz wie in einem handwerklich sauber aufgesetzten Rechercheprotokoll.

Truthsquad wird im US-Wahlkampf 2012 sicher viel zu tun bekommen, ist jedoch kein zeitlich befristetes Projekt und geht auch nicht nur den Behauptungen von Politikern nach. Jeder kann ein relevant erscheinendes Thema zur gemeinschaftlichen Faktenprüfung vorschlagen:

Truthsquad’s goal is to give readers new tools for checking information on the Web — and, in the process, help build media literacy skills with the guidance of professionals, as stated on Truthsquad’s home page. The underlying concept is to combine the center’s newsroom of investigative journalists with crowd-sourcing and partner contributions while engaging visitors. Truthsquad doesn’t just target politicians, but media pundits and public figures as well.

In the future, Truthsquad aims to create embeddable widgets for stories on any news site, encouraging the public to look deeper into issues and find out for themselves how true a statement really is. Newspapers can capitalize on this idea by creating fact-checking on their own websites, as news sites Voice of San Diego and Honolulu Civil Beat have. By connecting readers to news that matters to them on a community level while getting readers involved in the process, news organizations can create loyal readers and educated consumers.

In diesem Video erklärt Fabrice Florin, geschäftsführender Direktor von Newstrust.net, die Ziele seiner Nonprofit-Organisation und das Truthsquad-Konzept:


Weiterführende Links:

Die Truthsquad-Website

publiziert in Medienmarkt
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