Six Word Stories: Kurze Schreibübung im Kurzschreiben für Social-Media-Schreiber


Um Ernest Hemingway rankt sich so manche Legende. Eine davon geht so: Schriftsteller-Kollegen wetteten mit Hemingway, dass er es nicht schaffe, eine Geschichte in nur sechs Worten zu erzählen. Hemingway soll auf die Wette eingegangen sein, schrieb und gewann. Mit dieser Kürzest-Geschichte:

For sale: baby shoes, never used.

Zwar gehört die Wett-Geschichte höchstwahrscheinlich ins Reich der Fabeln, trotzdem liefert sie die Format-Schablone für den abgeschlossenen Tweet-Roman – und für eine Übung im Kurzschreiben. Zum Beispiel für alle, die ins Schreiben für Social Media einsteigen wollen. Denn dort ist Kürze absolute Pflicht.

Also: Versuchen Sie es am besten gleich selbst. Meine Sechs-Wörter-Geschichte für heute ist diese:

Anfangs keine Idee. Pause. Plötzlich: Wow!

Ok, ist vielleicht ein bisschen arg naheliegend. Aber wie wär’s mit diesem Krimi:

Ihr Ehering. Ins Handschuhfach. Er lächelt.

Übrigens
Deutsche Wörter sind durchschnittlich länger als englische Wörter – das zumindest will der Journalist Markus Baum herausgefunden haben:

(…) die durchschnittliche Silbenzahl pro Wort beträgt im Englischen 1,406; im Deutschen sind es 1,635 Silben. Im Englischen sind sieben von zehn Wörtern (71,5%) „einsilbig”, nur jedes zehnte Wort ist drei oder noch mehr Silben lang. Im Deutschen dagegen sind nur etwas mehr als die Hälfte aller Wörter „einsilbig”. Fast die Hälfte aller Wörter ist zwei oder mehr Silben lang.

Ein inhaltsgleicher Text – z.B. das Vaterunser – enthält im Englischen ca. 10% weniger Zeichen als im Deutschen. Das würde nicht sonderlich auffallen – aber dazu kommt, daß im Englischen wesentlich weniger Silben gesprochen als geschrieben werden. Im Deutschen dagegen sprechen wir normalerweise, wie wir schreiben. Folge: Englisch ist unschlagbar knapp. Einer der wichtigsten Sätze im Universum hat im Englischen nur drei gesprochene Silben: „I love you”. Im Deutschen sind es vier, und die zudem noch mit einer ungünstig verteilten Betonung: „Ich liebe dich”. Man kann also im Englischen denselben Sachverhalt kürzer ausdrücken.

Im Deutschen dürfte für einen abgeschlossenen Twitter-Roman also durchaus auch ein zusätzliches Wort spendiert werden.

Und wenn Sie Lust haben: Freue mich über Ihre schnelle Sechs-Wörter-Geschichte als Kommentar!

Weiterführende Links:

New York Times: What’s your six word love story?
Sixwordstories.net
twitter.com/#!/sixwordstories
Smithmag.net
Mashable: 10 Most Extraordinary Twitter-Updates