Der Freitagnachmittaglink: Die vielleicht schönste Geschichte des Jahres

23. Dezember 2011



Als letzten Freitagnachmittaglink des Jahres 2011 gibt es einen Rückblick auf die vielleicht schönste Geschichte des Jahres, die Geschichte der mysteriösen Papierskulpturen von Edinburgh. Sie geht so:

Im März dieses Jahres finden Bibliotheksmitarbeiter in der Scottish Poetry Library in Edinburgh eine wunderbar filigran gearbeitete Skulptur aus Papier: Sie besteht aus einem kleinen Papierbaum auf einem Buch, daneben ein aufgebrochenes papierenes Ei, ausgelegt mit Gold und voller Papierschnipsel, die zusammengelegt das Gedicht „A Trace of Wings“ von Edwin Morgan ergeben. Daran eine Nachricht an den Twitter-Account der Bibliothek:

„It started with your name @byleaveswelive and became a tree.… … We know that a library is so much more than a building full of books… a book is so much more than pages full of words.… This is for you in support of libraries, books, words, ideas….. a gesture (poetic maybe?)“

Zwei Monate später steht in der National Library of Scotland eine weitere Skulptur. Daran die Nachricht:

For @natlibscot – A gift in support of libraries, books, words, ideas….. (& against their exit)

Kurz danach eine dritte in einem Arthouse-Kino, erneut mit einer Nachricht:

„For @filmhouse – A gift in support of libraries, books, words, ideas….. and all things *magic*“.

So geht das weiter bis zum Ende des Jahres, zehn papierene Kunstwerke werden entdeckt: Papierdinosaurier geschnitzt aus Arthur Conan Doyles „The Lost World“, eine Jekyll & Hyde-Skulptur im Robert Louis Stevenson-Raum im Writers Museum, ein Drachennest im Scottish Storytelling Centre.

Ganz Edinburgh fragt sich: Wer ist die unbekannte Künstlerin oder der unbekannte Künstler hinter diesem Mysterium?

Heiße Spuren gibt es keine, doch dann findet sich ein überraschendes Bekennerschreiben.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte (in englischer Sprache).

Fröhliche Weihnachten und die besten Wünsche für 2012,
Ihr

Stefan Heijnk

Die Top 11 auf Texten fürs Web in 2011: Die meistgelesenen Beiträge des Jahres

22. Dezember 2011

Das sind die meistgelesenen Beiträge des Jahres 2011:

01. BBC-Infografik: Ich bin der 3.513.009.522 Mensch auf der Welt. Und Sie?

02. Deutscher Reporter-Preis 2011: Das sind die Nominierten

03. Der TfW-Praxistipp: So arbeiten Sie mit dem Substantiv-Hammer

04. Essay: Online-Journalismus – jetzt überall

05. Machen Sie das mal mit ihrem iPad: Das Zeitungskleid zum Anziehen

06. Zeitraffer: Zeitungstitel zum Atom-GAU jetzt und vor 25 Jahren

07. Augmented Reality in Printmedien: Blattkritik zur AR-Ausgabe des Stern

08. Die Text-Umkleidekabine (4): Denglisch

09. Storytelling im Web (Teil 2): Onlinejournalistische Textformen

10. Die Web-Reportage – was bin ich und wenn ja, wie viele?

11. Six Word Stories: Kurze Schreibübung für Social-Media-Schreiber

Rückblick 2011: Lohnt sich das Bloggen? Einblick in den Texten-fürs-Web-Traffic (3)

22. Dezember 2011


Meine letzte Blog-Bilanz liegt jetzt fast genau sechs Monate zurück und datiert auf den 29. Juni 2011. Bald ist das Jahr zu Ende, Zeit also für einen kleinen Rückblick auf die ersten gut neun Monate von Texten fürs Web als Blog. Statt ausführlicher Zahlenhuberei soll es dieses Mal aber vor allem um Einsichten, Auffälligkeiten und um Einblicke in Bloggers Nähkästchen gehen:

Einsicht I: Traffic wächst gegenüber Juni um 30 Prozent
Bei den Zahlen halte ich es für dieses Mal kurz und knapp, im Trend geht es weiterhin klar nach oben: Der stärkste Monat im ersten Halbjahr 2011 war der Juni. Seither legt der Traffic nach überstandener Sommerlochdelle Monat um Monat weiter zu, für November liegt das Blog bei einem Visit-Plus von 30 Prozent deutlich über den Juni-Werten. Dieser positive Trend wird sich absehbar auch im Dezember fortsetzen: Gegenüber dem Vormonat geht es noch einmal um voraussichtlich 10 Prozent nach oben.

So richtig überraschend ist das für ein junges Blog ja vielleicht nicht, wirklich aussagekräftig werden die Zahlen wohl eher im Vergleich zur Entwicklung in der Medienbranche insgesamt. Dort sieht es so aus: Verglichen mit den IVW-Zahlen für Juni bis einschließlich November 2011, die einen Rückgang bei den Visits um 1,46 Prozent feststellen, steigt der Visit-Traffic für www.texten-fuers-web.de im gleichen Zeitraum um mehr als 30 Prozent. Der LeserInnen-Zuspruch wächst also gegen den Branchentrend relativ schnell. Ein großes Dankeschön geht dafür an Sie, liebe Leserinnen und Leser!

Einsicht II: Mobiler Traffic stagniert
Viele Marktstudien prognostizieren schon seit einiger Zeit, dass das Website-Trafficwachstum künftig relativ stärker aus mobilen Nutzerzugriffen resultieren wird. In den Texten-fürs-Web-Zugriffszahlen schlagen sich diese Prognosen jedoch nicht nieder: Nach der Implementation der Mobilversion der Site gab es zwar einen deutlichen Sprung der mobilen Zugriffe nach oben, seither allerdings stagniert der Anteil der mobilen Zugriffe nicht nur, er geht sogar zurück, von 12 auf 9 Prozent des gesamten Traffics. Ich erkläre mir diese Entwicklung vor allem mit den doch relativ regelmäßig von mir eingestreuten Videos: Bewegtbildnutzung auf einem Smartphone ist technisch immer noch eher unzulänglich und wenig komfortabel (Flash, Bandbreiten) und die Zeitfenster für das Zwischendurch-Abrufen von Videos sind im Tagesverlauf, etwa beim Warten an der Bushaltestelle oder im Supermarkt, vielleicht auch schlicht zu knapp. Außerdem veröffentliche ich relativ häufig relativ lange Texte – und auch die sind nicht unbedingt fürs Zwischendurch-Surfen geeignet. Ergo heißt das wohl: Mein Blog ist fürs mobile Rezipieren momentan nicht sonderlich geeignet.

Einsicht III: Bloggen bringt Feedback und Kontakte
Vielleicht haben Sie sich gelegentlich gefragt: Warum macht der das eigentlich? Ob sie’s mir glauben oder nicht: In erster Linie, weil es Spaß bringt. Ich kann hier: Meine Gedanken ordnen, Beobachtungen festhalten, Meinung kundtun, webtechnisch auf dem Laufenden bleiben. Und das Beste: Ich kann all das mit Ihnen teilen, mit Ihnen diskutieren, alles in aller Öffentlichkeit.

Dabei ist das Projekt durchaus nicht altruistisch angelegt, schließlich soll es auch Vernetzungsplattform sein und den Buchverkauf fördern. Und auch das funktioniert hervorragend: Für ein derart kleines Blog bekomme ich, so mein Eindruck, sehr viel Feedback, auch wenn das Feedback (zu) oft nicht über die Kommentarzone im Blog zu mir gelangt, sondern auf anderen Wegen. Und es entstehen viele neue Kontakte in die Branche. Das ist zuweilen überraschend, immer bereichernd, immer motivierend.

Wie stark der Buchverkauf vom Blog profitiert ist nicht eindeutig festzustellen. In jedem Fall ist Texten fürs Web als Buch seit dem Verkaufsstart nahezu durchgängig auf den vorderen Rängen der Amazon-Bestsellerliste für Onlinejournalismus, meist sogar auf Platz 1. Wenn es so weitergeht, ist die Neuauflage schon bald komplett ausverkauft.

Darüber hinaus spielt natürlich auch dies eine Rolle: Aus meiner Perspektive als Journalistik-Professor ist das Bloggen gerade für angehende JournalistInnen ein wichtiger Kompetenz-Baustein, weil digitales Publizieren über kurz oder lang handwerklich ins Zentrum journalistischen Schaffens rückt. Regelmäßiges Bloggen schafft gerade für Einsteiger eine in viele Bereiche anknüpfungsfähige Grundlage, etwa ins crossmediale Publizieren oder ins Self-Publishing. Da erscheint es mir fachlich Pflicht, sich als Lehrender darin auch selbst ganz praktisch auf dem neusten Stand zu halten.

Einsicht IV: Buntes bringt Haftkraft
In punkto Themenmischung habe ich vor dem Blogstart reiflich überlegt, welche Stoffe zugkräftig sein könnten. Es lag nahe, Praxistipps und Schreibübungen in den Themenmix aufzunehmen. Nicht ganz so eindeutig war die Entscheidung, auch bunte Meldungen einzustreuen. Wenn ich jetzt nach fast neun Monaten auf die Verweilzeiten schaue und auf die Liste der meistgelesenen Blogposts, dann gehören die erfolgreichsten Texte ganz deutlich drei Kategorien an: Es sind die Meinungsbeiträge, es sind die ausführlichen Fachartikel – und es sind die bunten Meldungen. Sollten Sie also einen Fachblog planen, dann kann ich deshalb aus tiefster Überzeugung nur empfehlen: Lockern Sie das Fachliche durch bunte Stoffe auf. Das gibt dem Blog etwas Leichtes und stärkt die Nutzerbindung, denn nicht jeder hat immer die Zeit, die langen Texte zu lesen. Über die kurzen bunten Meldungen bleibt das Blog im Spiel, auch wenn gerade einmal für ausführliches Lesen keine Zeit ist.

Mache ich weiter?
Mein ursprünglicher Plan war es, hier auf www.texten-fuers-web.de genau ein Jahr lang zu bloggen. Dieses Jahr endet am 07. Februar 2012, also in etwa sechs Wochen. Mittlerweile bin ich allerdings ins Grübeln gekommen, ob ich nicht doch weitermache – denn das Projekt entwickelt sich einfach sehr, sehr schwungvoll in vielfältige Richtungen. Abhängig sein wird die Entscheidung letztlich von der weiteren Entwicklung beim Traffic und vom Bauchgefühl. Solange es kein plötzliches Durchsacken beim Traffic gibt und sich das Zugriffswachstum weiter verstetigt, gibt es eigentlich wenig Grund aufzuhören. Und: Sollte es so erfreulich weitergehen wie bislang, bin ich selbst schon ziemlich neugierig darauf, zu erfahren, wie weit die Entwicklung noch gehen kann. Ich bin gespannt. Sie ja vielleicht auch.

So oder so geht Texten fürs Web heute erst einmal in die Weihnachtspause – bis zum 06. Januar 2012.

Und deshalb bedanke mich bei Ihnen heute fürs gelegentliche oder regelmäßige Vorbeischauen, setze auf ein Wiedersehen im neuen Jahr und
wünsche Ihnen fröhliche Weihnachten und ein gesundes 2012!

Herzlichst,

Ihr
Stefan Heijnk

Ich ziehe meinen Hut vor: Stephan Albrecht (12), Schüler aus Bayern

16. Dezember 2011

Pressefreiheit ist in jeder Demokratie ein hohes Gut und es braucht engagierte Bürger, um sie zu schützen und durchzusetzen.

Stephan Albrecht vom Ignaz-Kögler-Gymnasium (Landsberg am Lech) ist ein solcher engagierter Bürger. Danke für Deinen Einsatz!

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Der Freitagnachmittaglink: Heute mit Geschenkidee

16. Dezember 2011

Wenn Sie dieses Jahr ein wirklich persönliches Geschenk basteln wollen, dann ist dies vielleicht die rettende Idee: das Porträt aus Zeitungs- und/oder Buchpapier.

Nick Georgiou aus Tucson in Arizona (USA) ist der Genius hinter diesen papierenen Kunstwerken. Unbedingt sehenswert und sehr zur Nachahmung empfohlen – so lange es noch bedrucktes Papier gibt.

Und als Skulptur:

Mehr davon finden Sie hier.

Einen schönen 4. Advent wünscht Ihnen
Ihr

Stefan Heijnk

P.S.:

Und wenn Ihr Werk dann eine ähnliche Wirkung entfaltet wie dieses überraschende Wiedersehen eines kleinen Mädchens mit ihrem heimkehrenden Soldaten-Papa, dann waren Sie richtig gut.

S. 1 v. 3123



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