Unser Star für Baku ist die Pressefreiheit

9. März 2012

Noch knappe drei Monate sind es bis zum Finale des Eurovision Song Contest 2012 (ESC) in Baku am 26. Mai. Und die aserbaidschanische Regierung unter Präsident Ilham Alijew wird den Anlass nutzen, um das Land als modernen, weltoffenen Staat zu präsentieren.

Reporter ohne Grenzen e.V. (ROG) ruft deshalb heute alle Beteiligten erneut dazu auf, sich intensiv mit dem Gastgeberland Aserbaidschan auseinanderzusetzen und öffentlich Position zu den Verletzungen der Presse- und Meinungsfreiheit dort zu beziehen – was an dieser Stelle ausdrücklich unterstützt wird.

ROG zählt den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew zu den Feinden der Pressefreiheit. In einer ROG-Pressemitteilung heißt es: “Journalisten arbeiten in dem südkaukasischen Land unter ständiger Bedrohung. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben lokaler Nichtregierungsorganisationen über 50 Medienvertreter überfallen oder von der Polizei angegriffen (…). Immer wieder werden Journalisten und Blogger aus fadenscheinigen Gründen verhaftet.” Awas Sejnalli, Chefredakteur der Zeitung Chural, sitze seit Ende Oktober 2011 im Gefängnis, nachdem er in Artikeln den autokratisch regierenden Präsidenten Ilham Alijew kritisierte. Gegen mehrere Blogger, die im Frühjahr 2011 zu Protesten aufgerufen hatten, seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Und die Morde an den Journalisten Elmar Husejnow (2005) und Rafik Tagi (2011) seien bis heute nicht aufgeklärt.

Freie Berichterstattung für alle JournalistInnen
“Die Diskrepanz zwischen der glitzernden PR-Fassade und der bitteren Wirklichkeit Aserbaidschans kann nur eine unabhängige Presse sichtbar machen“, sagt ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. Reporter ohne Grenzen fordert von der aserbaidschanischen Regierung, die Visavergabe und Akkreditierung für ausländische Journalisten frei und transparent zu gestalten. Unbehinderte Recherche muss vor, während und nach dem ESC sowohl in Baku als auch im Rest des Landes möglich sein. Journalisten dürfen in ihrer Arbeit nicht thematisch beschränkt werden.

„Der Eurovision Song Contest ist nicht einfach eine unpolitische Musikveranstaltung, wie die Organisatoren uns weismachen wollen“, sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. „Er findet in einem Land statt, in dem es keine freie Berichterstattung gibt und kritische Journalisten bedroht werden“, so Rediske. „Jury, Journalisten, Produzenten und Sänger – sie alle können und sollten dazu beitragen, dass die Menschenrechtsverletzungen nicht ignoriert werden.“

Hier können Sie Roman Lob zuhören:

Hier können Sie Hikmet Hajizade zuhören, Vater des aserbaidschanischen Bloggers Adnan Hajizade. Sein Sohn war von November 2010 bis Februar 2012 inhaftiert wegen einer regierungskritischen politischen Satire:

Für regierungsunfreundliche Machwerke, wie dieses hier von extra3, würden die Autoren in Aserbaidschan also direkt in den Knast wandern:

publiziert in Medienmarkt
S. 1 v. 11
 



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