Immersive Storytelling: Wenn der Weltraumschrott durchs Shuttle schießt

Gravity-Webtrailer: Das zerstörte Space Shuttle treibt führungslos im Erdorbit

Web-Reportagen bieten selten mehr als das, was im Grunde auch allein per Text und Foto erzählt werden könnte. So jedenfalls lautet nicht selten die Kritik, selbst preisgekrönte Arbeiten werden davon nicht ausgenommen. Schön zusammengefasst haben das vor einiger Zeit die Kollegen von den Webkrauts, gleich nebenan.

Richtig ist: Die Interaktivität beschränkt sich in diesen Geschichten meist aufs Scrollen über die Textseiten und aufs Durchklicken von Fotostrecken. Irgendwie fehlt es da zuweilen in der Tat an wirklich kreativen Ansätzen. Durch den Kopf ging mir dazu gerade, dass es in den ganz frühen Zeiten des WWW ganz selbstverständlich war, auch die dritte Dimension fürs journalistische Storytelling zu nutzen, vor allem mit der damals gebräuchlichen VRML (Virtual Reality Modelling Language).


Den Hurrikan mit der Maus erkunden: Immersive 3D-Grafik bei CNN anno 1997
Bildquelle: CNN.com (Screenshot/Heijnk vom 28.09.1997)

Richtig durchgesetzt hat sie sich im Journalismus nie, das Potenzial allerdings hätte die Technik. Die Nachfolgesprache WebGL bietet reichlich Immersionsmöglichkeiten. Erleben kann man das zum Beispiel in einer browserbasierten Orbitalwelt zum Oscar-prämierten Hollywoodstreifen “Gravity”. Darin kann jeder zwischen den von Weltraumschrott ramponierten Raumfahrzeigen und Raumstationen hin- und herfliegen – und zwar ganz einfach im Browser, ohne irgendein Plugin oder sonstiges Programm herunterladen zu müssen. Webkraut-Leser Jeena kommentiert dazu: “Genauso könnte ich mir vorstellen, dass auf diese Weise das Atomkraftwerk in Fukushima aufzubereiten”. Interessanter Gedanke. An Themen, in denen 3D sinnvoll ist, mangelt es jedenfalls nicht.

Bildquelle/Aufmacher: Gravitymovie (Screenshot/Heijnk vom 24.03.2014)