SEO: So verbessern Langtexte das Google-Ranking

Bild.de ist bislang nicht gerade bekannt für die Pflege der langen Form. Über Uli Hoeneß hat die Redaktion allerdings jüngst ein bemerkenswertes Dossier veröffentlicht: 8 Kapitel, 126 Druckseiten (A4), 15.400 Wörter, 78 Fotos, alles versammelt auf einer einzigen HTML-Seite mit einer Länge von genau 103.320 Pixeln (!). So etwas hat es bis dato weder im Blatt gegeben noch auf der Website. Besondere Themen verlangen eben nach besonderer Form. Und die hat auch mit Suchmaschinenoptimierung zu tun.

Spätestens seit Google in 2013 das Hummingbird-Update in seinen Such-Algorithmus eingebaut hat, sind viele der alten SEO-Weisheiten erledigt. Bislang folgte das Frisieren der Suchergebnisseiten (SERPs) einem einfachen Dreischritt:

1. Zuerst wurde für ein bestimmtes Thema per Adword-Analyse das Wort herausgefiltert, das die höchste Anzahl an Besuchern versprach.
2. Dann wurde passend zu diesem Schlüsselwort ein Text geschrieben und veröffentlicht, der a. eine Keyworddichte irgendwo zwischen drei und fünf Prozent und b. eine Textlänge von mindestens 350 Wörtern hatte.
3. Zum Schluss wurden aus allen beeinflussbaren digitalen Kanälen möglichst viele Links auf eben diesen Text gesetzt, wobei die Linktexte im Idealfall ebenfalls den Schlüsselbegriff enthielten.

Welches erbärmliche Geschreibsel dabei regelmäßig herauskommt, lässt sich an diesem Pinterest-Fundstück erahnen.

Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Die Algorithmus-Entwickler bei Google arbeiten inzwischen sehr konzentriert daran, die SERPs gegen eine SEO nach altem Muster zu immunisieren. Das Ziel ist klar: Gute Inhalte sollen von weniger guten Inhalten verlässlich unterschieden, SERP-Spam noch strikter eingedämmt werden.

Wie lang ist optimal?
Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Textlänge: Zu den wichtigsten Signalen im runderneuerten Google-Algorithmus zählt jetzt zweifelsfrei die Anzahl der Wörter auf einer Artikelseite, kombiniert mit sozialen Signalen. Auf eine (sicher vereinfachende) Formel gebracht sieht es so aus: Je länger ein Text ist und je öfter er geteilt wird, desto besser fürs Ranking auf der SERP.

SEO-Agenturen haben diesen Zusammenhang zwischenzeitlich genau registriert. Im Detail wird beobachtet, dass:

- auf längere Texte ab 1500 Wörtern relativ öfter verlinkt wird,
- längere Texte ab 1500 Wörter relativ öfter geteilt werden,
- die NutzerInnen tendenziell mit mehr Wörtern (also: genauer) suchen,
- jene Sites auf Google-SERPs relativ höher gelistet sind, deren Artikelseiten durchschnittlich relativ mehr Wörter enthalten.

Bei Licht betrachtet ist die dahinter stehende Logik nicht sonderlich schwierig nachzuvollziehen: Längere Texte sind tendenziell wertiger als kürzere. Und wenn ein längerer Text inhaltlich überzeugt, dann freuen sich die LeserInnen und teilen ihn. Genau deshalb misst Google eben die Textlänge in Wörtern und schaut dann auf Facebook, Twitter, Pinterest & Co nach, wie oft der betreffende Text geteilt wurde.

Für die Praxis folgt daraus: Lesenswerte, ausführliche Texte sind Googles Liebling. Viele Unternehmen, Agenturen, Verbände oder NGOs sitzen auf wahren Bergen wertvoller Texte, bringen das Material bislang allerdings nicht professionell ins Web. Jetzt einfach drauflos zu schaufeln und alles, was an Texten verfügbar ist, ungefiltert auf die eigene Site zu stellen, wäre allerdings auch keine gute Idee. Lange Texte sind ein Wettbewerbsfaktor – und sie gehören dann unbedingt auf die Site, wenn sie inhaltlich überzeugen, also spannend oder nützlich oder unterhaltsam oder alles gleichzeitig sind. Und mindestens 1500 Wörter haben. Das Hoeneß-Dossier jedenfalls nimmt diese Hürde problemlos.

Weiterführende Links

Social Media Today: Is Longer Better for Blog Content?

Express Writers: Less is Not More (Anymore)

Quicksprout: How Content Length Affects Rankings and Conversions

serpIQ: How Important is Content Length?