Die Immer-Mehrismus-Pest: Ein Armutszeugnis für die Nachrichtensprache
24. Oktober 201114.00 Uhr: Höre nebenbei gerade die Tagesschau.
Die erste Meldung: Erdbeben in der Türkei.
Die Sprecherin sagt dazu an: “Nach dem Erdbeben in der Türkei gibt es immer weitere Tote.”
Dann die Nachricht im Film.
Der Off-Sprecher sagt: “Überlebende zu finden wird immer unwahrscheinlicher.”
Schauen Sie hier: Es ist eine echte Pest.
Mein Therapie-Vorschlag für jede Redaktion: Für jeden Aufhänger und jeden Satz mit “immer” gehen fünf Euro in ein Redaktionssparschwein und am Jahresende geht das Geld an einen guten Zweck.
- Update (04.11.11) -
Keine Regel ohne Ausnahme: Auf der Startseite der Wirtschaftswoche-Website habe ich gerade das Wörtchen “immer” in einem Vorspannsatz gelesen und der Satz klingt dennoch nicht abgedroschen. Zitat:
In drei Minuten zum Traumjob
Bewerbungsgespräche per Skype oder eine „Seite Drei“ –Trends und Moden spielen bei der erfolgreichen Stellensuche immer eine wichtige Rolle. Dabei hat nur derjenige Bewerber eine Chance, der die Grundlagen beherrscht.
Der Unterschied in der Wirkung lässt sich erklären: Abgedroschen wirkt ein “immer” regelmäßig dann, wenn es an einen Komparativ geknüpft ist – einfach, weil es zu oft zu lesen oder zu hören ist. Steht das “immer” aber ohne Komparativ, dann behält es seine ursprüngliche Kraft.












