26. Oktober 2011
Variation 7: Die Knopf-Perspektive
Bin im Autobus der Linie S. Keine Ahnung, was aus meinem Vorgänger geworden ist. Hätte die Schneiderin doch bloß meinen Kollegen aus dem Nähkästchen gegriffen. Egal. Jetzt bin halt ich der neue Zierknopf an diesem Überzieher.
Ganz schönes Gedränge hier. Irgendwie müffelt es. Die Scheiben sind auch schon ganz beschlagen. Und dieser blöde Taschen-Riemen. Nimmt mir schon die ganze Zeit die Sicht! Und jetzt reißt der auch noch an mir rum. Rauf. Runter. Das geht bestimmt schon eine halbe Stunde so. Hoffentlich hält der Faden durch.
Upps, jetzt kann ich wieder sehen. Mein Träger beschwert sich bei dem Fahrgast mit der Lederjacke. Recht so. Ach Du je! Mein Faden löst sich!
Mein Gott, wo bin ich hier? Überall Schuhe um mich herum. Autsch.
(Zwei Stunden später.)
Jetzt liege ich hier immer noch auf dem Boden. Wie langweilig. Ich glaub, der Busfahrer hat den Bus in eine Garage gefahren. Ganz schön schummerig ist’s hier unter dem Sitz. Und dieser ganze Dreck um mich herum.
Ach du Schreck. Da! Ein Besen! Halt! Nein! NEEEEEIN!
Und was soll dieser Text? Dieser Text ist eine Stilübung nach dem Muster von Raymond Queneau. Mehr darüber erfahren Sie auf der Einführungsseite: Schreibübung zum Mitmachen: Die Text-Umkleidekabine
14. März 2011
Variation 6: Zensiert

Und was soll dieser Text? Dieser Text ist eine Stilübung nach dem Muster von Raymond Queneau. Mehr darüber erfahren Sie auf der Einführungsseite: Schreibübung zum Mitmachen: Die Text-Umkleidekabine
27. Februar 2011
Variation 5: BOULD-Zeitung
GUTTENBERG BRUTAL ÜBERFALLEN!!!
Wie lange kann er das noch aushalten? Wie viel Missgunst kann er noch wegstecken? Doktortitel aberkannt, von der Opposition beschimpft, selbst Parteifreunde halten nicht mehr zu ihm. Und jetzt auch noch das: KT wird im Bus überfallen – am hellichten Tag!!! Das ist passiert: Gestern Vormittag, 11.35 Uhr. Zu Guttenberg steigt am Berliner Hauptbahnhof in den Bus der Linie S (Richtung Reichstagsgebäude). Der Bus ist voll, KT muss im Gang stehen. Eine alte Frau erkennt ihn, bietet dem Minister ihren Platz an, KT lehnt dankend ab. Dann das Unfassbare: Plötzlich zieht sich ein Mann eine schwarze Maske über den Kopf (südländisches Aussehen, schwarzer Vollbart, gebrochenes Deutsch). Er versucht brutal, dem Minister die Aktentasche zu entreißen. Guttenberg ist Bundeswehroffizier der Reserve, kann ihn zuerst abwehren. Dann reißt ihm der Angreifer die Knöpfe vom Jackett – wertvollste Familienerbstücke!! 112 Jahre alt, pures Gold! Der Maskierte flieht.
Zwei Stunden später im Bundestag. Guttenberg ist der Redner. Jackett und Hemd (Prada) sitzen perfekt. Es fehlt nur ein Knopf. Tapfer gesteht er: Ja, ich habe in meiner Doktorarbeit Fehler gemacht. Deutschland fragt sich: Wie hält er das alles nur aus? BOULD meint: Wir sind KT! DAS ist GUTT für Deutschland!
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26. Februar 2011
Variation 4: Denglisch
Buslinie S, es ist Rushhour. Da steht ein Typ, vermutlich ein Twen, stylishes Base Cap auf dem Kopf. Sein Body wirkt irgendwie unförmig, der Hals ist eigenartig gestretched. Die Crowd steigt aus. Der Typ pumpt seine aggressiven Vibrations in den Raum, pampt seinen Nachbarn an. Die Message: Rempel mich nicht an, sonst gibt es hier gleich Trouble. Seine Stimme soll cool klingen, hat aber eher den Sound eines soften Baby-Stimmchens. Als er einen leeren Platz sieht, tankt er sich hin.
Zwei Stunden später kreuzt der Typ an einer anderen Location auf, Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare. Im Hintergrund ein Werbeplakat von Jil Sander. Darauf steht der Slogan: “Das Leben ist eine Giving-Story.” Der Typ gibt immer noch den Coolen. Da ist jetzt auch noch ein anderer Typ. Der sagt zu ihm: “Da fehlt ein Button an Deinem Pullover.” Er zeigt ihm wo (am Button-Down-Kragen).
Und was soll dieser Text? Dieser Text ist eine Stilübung nach dem Muster von Raymond Queneau. Mehr darüber erfahren Sie auf der Einführungsseite: Schreibübung zum Mitmachen: Die Text-Umkleidekabine
26. Februar 2011
Variation 3: Cliffhanger
Im Autobus der Linie S zur Hauptverkehrszeit. Ein junger Kerl quetscht sich in den Mittelgang, vielleicht 26 Jahre alt, weicher Hut, etwas langer Hals. Leute steigen aus. Der junge Mann ist trotzdem auf Krawall gebürstet, schnauzt seinen Nachbarn an: Der solle aufhören, ihn ständig anzurempeln. Der Nachbar sieht aus wie ein Ringer aus dem Fernsehen: Stiernacken, rasierter Schädel – ein komplett tätowiertes Muskelpaket. Jetzt wird direkt neben den beiden ein Platz frei. Beide wollen sich setzen – Mist, mir ist der Blick versperrt.
Zwei Stunden später sehe ich den jungen Mann wieder, er steht an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare. Er sieht etwas zersaust aus. Neben ihm steht ein anderer Mann und sagt zu ihm: “Da fehlt ein Knopf an Deinem Überzieher, scheint abgerissen zu sein, da hängen noch die Fäden.“ Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt).
Und was soll dieser Text? Dieser Text ist eine Stilübung nach dem Muster von Raymond Queneau. Mehr darüber erfahren Sie auf der Einführungsseite: Schreibübung zum Mitmachen: Die Text-Umkleidekabine