Relaunch-Analyse: Die FAZ im Web sieht jetzt so aus wie Zeit Online – anno 2001

14. November 2011

Großes Zeitungslogo, drei Spalten, sehr viel Text – seit dem 3. Oktober präsentiert sich FAZ.net in einer Print-Optik. Viel Anlass für Applaus gibt der neue Auftritt nicht. mehr

Relaunch-Analyse: Warum der neue WiWo-Auftritt in die falsche Richtung geht

8. November 2011

Die Wirtschaftswoche hat ihre Website komplett überarbeitet. Mehr Texte und mehr Tools sollen Traffic und Umsatz steigern. Die Relaunch-Analyse zeigt: Die Projekt-Vorgaben werden mit dem Redesign zwar eingelöst, trotzdem geht die Wirtschaftswoche online weiter in die falsche Richtung. mehr

App-Konzepte: Alan Rusbridger erklärt die neue iPad-Ausgabe des Guardian

27. Oktober 2011


Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger gilt in der Medienbranche als Innovator im webdistribuierten Journalismus. Jetzt hat er den Guardian aufs iPad gebracht. Das erklärte Ziel: Der iPad-Guardian soll nicht wie eine Zeitung aussehen, aber wie eine Zeitung funktionieren. O-Ton:

We have created something that is a new proposition, different to other digital offerings. It works in either orientation and nothing is sacrificed. Instead of it being based on lists, breaking news, and the fastest updates it’s instead designed to be a more reflective, discoverable experience. This gives it the potential to have a design capable of responding to the news… just like a newspaper.

In diesem Video erklärt Rusbridger das Konzept für den iPad-Guardian:

Und in diesem Video können Sie sich die App genauer anschauen:

Auf der Guardian-Website wird die Dummy-Entwicklung außerdem in einer Bildergalerie nachgezeichnet. Nice.

Poynter Eyetrack III: Ausgewählte Befunde zum Blickverlauf auf News-Websites

17. Oktober 2011

Die Eyetracking-Studie des Poynter-Instituts aus 2004 ist nach wie vor eine wichtige Quelle, wenn es um Fragen der Website-Nutzer-Interaktion geht.

Für die Studie wurden die Blickverläufe von knapp 50 Probanden auf generalisierten Nachrichtenwebsite-Layouts per Blickverlaufskamera aufgezeichnet und ausgewertet.

Leider ist das Dokument seit einiger Zeit nicht mehr online. Immerhin liegt mir ein PDF der Studie vor, sodass einige zentrale Befunde hier in Auszügen wiedergegeben werden können:

Blickverlauf auf der Startseite
Observation: When viewing homepages, eyes initially tend to fixate in the upper left and finally move to the lower and upper right.

As the diagram indicates, the upper-left quadrant gets a fairly complete glance. Not only is it the viewing start point in this area, but viewers also tend to peruse the entire area before moving on. Next stop — a cursory look at the lower part of the upper right hand quadrant, followed by the same in the upper part of the lower left-hand quadrant. The eyes seem to move back and forth again to outlying areas of these two quadrants. Finally, users scan the right-hand side of the page before leaving. The sequence is fairly logical when considering that Westerners read from left to right. It also is consistent with traditional teachings of readers to scan printed pages in a Z-shaped pattern:

Thought about in a more general way, we can see how the upper left is viewed more quickly, on average, then the next layer out, then the outer periphery. However, it is important to remember that viewing patterns are affected by what page elements exist in particular locations. Headline placement, images, and blurbs are strong factors in determining viewing patterns:

Blicklenkung durch Fotogröße
Observation: Larger photo size increases the percentage of users seeing photos and the time they spend looking at them. For this study, we tested three common sizes of photos: small (about 80×80 pixels), medium (210×230 pixels), and large (365×240 pixels). Thumbnails of the five images we used appear below.


Primäre Scanzone für Teaser
Below is a series of close-ups of article blurbs from heatmaps of homepage No. 6. The red-orange-yellow areas indicate the highest viewing, which is concentrated on the left side of the blurbs.

Tips:
Using blurbs with headlines rather than headlines-only seems to help disperse interest throughout a homepage (down the page). Recognize that a list of headlines-only high on the page might not get people to look as much on lower portions of the page.

If you have some stories that you want to get people to more than others, you might want to use blurbs with those headlines and place those stories near the top of the homepage.

If you’re going to use blurbs, remember that the first few words may matter most. Our findings indicate that very few people go to the trouble of reading all of even short blurbs. Most people don’t invest much time in deciding whether or not to click through to an article, so keep head/blurb combos succinct.

Hirnforschung: Lesen auf dem iPad ist weniger anstrengend

14. Oktober 2011


Das Institut für Buchwissenschaft der Universität Mainz hat Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der untersucht wurde, ob unterschiedliche Lesegeräte bei den Lesern zu Unterschieden in den Lesegeschwindigkeiten und bei den Behaltensleistungen führen. Das interessante Ergebnis: Lesen auf dem iPad ist kognitiv weniger aufwändig als auf Papier oder auf einem Kindle-Reader. Und: Die Testpersonen empfinden das Lesen auf Papier zwar insgesamt angenehmer als das Lesen auf Bildschirmgeräten, auf die Lesedauer und auf die Erinnerung an den Textinhalt hat das jeweilige Medium aber keinen nennenswerten Einfluss.

So wurde getestet
Zwanzig jüngere Erwachsene (Durchschnittsalter 26 Jahre) und 10 ältere Erwachsene (Durchschnittsalter 64 Jahre) lasen dazu jeweils insgesamt neun Texte, die auf einer Papierseite, auf einem E-Reader (Kindle 3) und einem Tablet-PC (iPad) unterbreitet wurden. Die Abfolge, in der die Texte auf den Medien präsentiert wurden, und die Reihenfolge der Medien variierten über alle Probanden hinweg, sodass simple Abfolgeeffekte ausgeschlossen werden konnten. Jeweils 3 Texte waren dabei einer Textsorte zugeordnet: Fachtext, Sachtext, linguistischer Experimentaltext. Schriftart, Zeilenanzahl und -abstand waren für alle Leseoberflächen identisch.

Ergebnis I: Hirnaktivität
Für die Hirnaktivität wurde insbesondere ein Frequenzbereich zwischen ca. 3,5 und 7,5 Hertz (Thetaband) untersucht. Hirnaktivität in diesem Frequenzbereich reflektiert den Aufwand für die Verarbeitung neuer Information, zum Beispiel für das Lesen unbekannter Texten. Die statistische Auswertung des Thetabandes beim Lesen der Textseiten ergab, dass die Aktivierung in ihrer Stärke von der Leseoberfläche abhängt (vgl. Grafik 1). Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sich der Tablet-PC signifikant von den beiden anderen Medien unterschied, indem er zu einer geringeren Aktivierung führt. Der E-Ink-Reader und die Papierseite führten zu statistisch nicht unterscheidbaren Aktivierungen. Das bedeutet, dass der kognitive Aufwand für das Lesen am Tablet-PC geringer ist als für den E-Ink-Reader und die Papierseite. Das Lesen auf ersterem ist also aus einer neuronalen Perspektive leichter. Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Probanden gab es dabei nicht.


Grafik 1: mittlere Aktivierung im Thetaband in Abhängigkeit von der medialenDarreichungsform (N = 30 Probanden)

Ergebnis II: Lesegeschwindigkeit
Die Blickbewegungen wurden anhand der Dauer aller Fixationen pro Textseite untersucht. Die Dauer einer Fixation, d.h. die Zeit, in der das Auge relativ still auf einem Punkt verweilt und Informationen aufgenommen werden, verlängert sich üblicherweise proportional zur Schwierigkeit, mit der die neuen Informationen verarbeitet werden. Es zeigte sich, dass die Medien unterschiedlich stark auf die Lesezeiten der beiden Altersgruppen einwirkten. Während es bei jüngeren Probanden keine Lesezeitunterschiede zwischen den drei Medien gab, zeigten die älteren Probanden schnellere Lesezeiten für den Tablet-PC (vgl. Grafik 2). Innerhalb dieser Altersgruppe unterschieden sich Papierseite und E-Ink-Reader nicht voneinander.

Grafik 2: Lesezeit pro Textseite (in Sekunden) in Abhängigkeit von medialer Darreichungsform und Altersgruppe (Jüngere N = 20, Ältere N = 10)

Ergebnis III: Behaltensleistung
Im Durchschnitt zeigten die Probanden eine sehr gute Behaltensleistung für die abgefragten Inhalte, wobei sich die kleineren Differenzen statistisch nicht unterscheiden. Es gibt außerdem keinen Unterschied zwischen den Altersgruppen (vgl. Grafik 3).

Grafik 3: Prozentsatz an korrekten Antworten für Verständnisfragen in Abhängigkeit von medialer Darreichungsform (N = 30 Probanden)

Ergebnis IV: Subjektive Einschätzung der Lesemedien
In der Fragebogen-Nachbefragung wurde zum einen erfragt, welches Medium während des Experiments als am angenehmsten empfunden wurde. Zum anderen wurde erfragt, auf welcher Oberfläche die Schrift am besten lesbar war. Die Daten zeigten, dass in beiden Fällen das Papier bevorzugt wurde. E-Ink-Reader und Tablet-PC zeigten keine Unterschiede hinsichtlich des „Wohlfühlfaktors“ und einen leichten Unterschied in Bezug auf die Lesbarkeit der Schrift (Grafik 4).

Grafik 4: Häufigkeit der Nennung (in %) eines Gerätes in Abhängigkeit von Wohlfühlfaktor und Lesbarkeit der Schrift (N = 30 Probanden)

Widerspruch zu anderen Studien
Zumindest für den Aspekt der Erinnerungsleistung steht die Mainzer Studie jedoch im Widerspruch zu anderen Befunden: Die Branding-Agentur Millward-Brown hatte in einer Neuromarketing-Untersuchung Anfang 2011 festgestellt, dass Papierlesen zu höherer neuronaler Aktivität führt als das Lesen auf dem Bildschirm. Mehr dazu hier.

S. 1 v. 512345



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