Weg war weg: Konstruktivismus im Praxistest

10. Oktober 2011

Schauen Sie einfach für ein Weilchen auf den roten Punkt:

via feingut.com

Wichtige Frage: Was wird bloß aus dem Zeitungsausschnitt?

10. Oktober 2011


Eine Großtante meiner Frau war Meisterin in der Zeitungsausschneiderei: Bis ins hohe Alter schnitt und riss sie wichtig erscheinende Artikel aus der Zeitung heraus und legte sie an thematisch passender Stelle in Romane ein, in Kochbücher, ins Konversationslexikon. Aus vielen Büchern in ihrer Wohnung guckten irgendwelche Zeitungsschnipsel heraus, die Zimmer waren gewissermaßen durchwirkt von einem unsichtbaren Wissensnetz und sämtliche Fäden dieses Netzes liefen in ihrem Kopf zusammen. Wenn Sie Briefe an ihre Lieben schrieb, dann steckte Sie immer auch ein paar Zeitungsausschnitte ins Kuvert – als Leseanregung. Hypertext in analoger Zeit. Faszinierend.

Heute gibt es für so etwas – ganz profan – den Webservice Instapaper: Wer im Web auf einen interessanten Artikel stößt und gerade keine Zeit fürs Lesen hat, der klickt einfach in seinen Lesezeichen oder in seinem Browser ein kleines (vorab zu installierendes) “Read Later”-Applet an und schon ist er gespeichert, gesichert, festgehalten. Auf irgendeinem Server, irgendwo da draußen im Web. Natürlich funktioniert das genauso auch für alle bereits gelesenen Texte, die aufbewahrt werden wollen. Ein Klick und fertig. Abgelegt in der Cloud. Körperlos. Platzsparend. Wunderbar.

Nur: Was wird jetzt bloß aus dem Zeitungsausschnitt? Und: Wie steht es damit bei Ihnen? Machen Sie das auch noch? Artikel, Fotos, Grafiken, ganze Seiten aus der Zeitung herausreißen oder ausschneiden? In Hängemappen sammeln? Im Regal oder auf der Fensterbank oder neben dem Schreibtisch stapeln? In Kladden kleben? Für später, wenn Zeit ist fürs Lesen?

In meinem Büro steht jedenfalls ein ganzer Schrank voller Hängemappen voller Zeitungsausschnitte, thematisch grob sortiert, toll geschriebene Artikel, besondere Layouts, historisch bedeutsame Titelseiten vom Fall der Mauer bis zum 11. September. Herrlich altmodisch. Eigenartig. Kaum zu erklären. Oder doch?

In einem Hochschulprojekt werde ich dieser Frage demnächst gezielter nachgehen. Bevor es zu spät ist. Denn: “[...] der ehedem moderne Gegenstand Ausschnitt [ist; S.H.] im Verschwinden begriffen. Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv beispielsweise hat seit dem 1.1.2006 seine Pressedokumentation eingestellt”, schreibt Anke te Heesen in ihrer lesenswerten Monografie “Der Zeitungsausschnitt”.

Deshalb meine Bitte: Sollten Sie Zeitungsausschnitte sammeln (oder jemanden kennen, der das tut), dann kontaktieren Sie mich bitte unbedingt.

Schreiben Sie mir einfach eine kurze E-Mail (Adresse im Impressum) mit dem Stichwort Zeitungsausschnitt.

Schon jetzt: 1000 Dank!

P.S.: Ich hoffe, es kommen mehr Reaktionen als beim Aufruf im Sommer zum Thema “Wie lesen Sie Ihre Zeitung?” Deshalb: Bitte gern auch weitersagen.

Weiterführende Links:

Bayerischer Rundfunk: Wir Ausschneider.

Weblog: Collagen zu zweit.

Der TfW-Praxistipp: So betten Sie Thinglinks in Ihre Fotos ein

8. Oktober 2011

Dieses Foto ist ein historisches Dokument: Es zeigt US-Präsident Obama und Mitglieder seiner Regierung im Weißen Haus am 2. Mai 2011 während der Kommando-Aktion gegen Osama bin Laden.

Das Foto sieht aus wie viele andere Fotos im Web, hat aber etwas Besonderes: Darin eingebettet sind Hotspots zu weiterführenden Informationen.

Wenn Sie also Ihren Mauszeiger oder einen Finger auf das Foto bewegen, wird Ihnen per Kreissymbol angezeigt, an welchen Stellen zusätzliche Informationen aufgerufen werden können.

Und das Schöne für Website-Betreiber ist: Mit dem Webservice thinglink.com können Sie ganz nach Wunsch eigene Mouse-Over-Tags für Ihre Fotos anlegen. Thinglinks gibt’s auch als Plug-in für WordPress-Blogs.

Das Video erklärt, wie’s funktioniert:

Mit diesen Thinglinks können nicht nur Textfähnchen in beliebige Fotos eingebettet werden, sondern auch Audios, Videos oder komplette Websites. Selbst eigenen O-Ton können Sie mit Thinglink in Fotos einsprechen.

Das Beispiel zeigt eine Werbeseite, in die unter anderem ein Video eingebunden ist:

Liquid Journalism – ein Storyboard-Essay

7. Oktober 2011

Für ein essayistisch angelegtes Filmprojekt diskutiere ich mit den beteiligten Kollegen (Fotografen, Grafikdesigner, Experten für Animation) aktuell über substanzielle Trendlinien in der Entwicklung des Journalismus.

Das Ganze läuft unter dem Arbeitstitel “Liquid Journalism”, denn wir gehen von drei Hypothesen aus:

1. Journalismus in der Vor-Internet-Zeit organisierte seine Berichterstattung quasi als Zeitscheiben: Jeder journalistische Artikel, jedes Foto, jeder Hörfunk- oder TV-Beitrag war in gewisser Weise immer eine vorläufig abgeschlossene, in bestimmten Mustern strukturierte Momentaufnahme eines aktuellen Geschehnisses.

2. Mit dem Internet sind diese Zeitscheiben zwar nicht verschwunden (und schon gar nicht überflüssig geworden), sie werden aber ergänzt durch informelle geschehnisbezogene, ungefilterte Informationsströme, die im Web jetzt erstmals ebenfalls öffentlich sichtbar sind – außerhalb und abseits der formalisierten Medienberichterstattung. Auf Twitter oder Facebook, auf Youtube und in Blogs.

3. Insgesamt gewinnt der Journalismus damit einen neuen Aspekt, vielleicht auch einen neuen Charakter: Das Ineinanderfließen von informeller und formalisierter Kommunikation (inklusiver seiner Rückkopplungen an die informelle Kommunikation) wird stärker sichtbar, wird transparenter. Und: Im Web kann heute jeder als Autor oder Verleger auftreten.

Für das Storyboard haben wir jetzt erste Entwürfe entwickelt, die ich gerne mit Ihren Ideen anreichern würde. Im aktuellen Stadium existieren Sätze, die diesen Trend in der journalistischen Evolution einfangen und beschreiben sollen. Als Sammlung ergeben sie ein Essay (Projektsprache ist Englisch):

LIQUID JOURNALISM

Yesterday publishing was expensive.
Yesterday it was a business of a few.
You had to own a printing press.
You had to own a radio station.
You had to own a tv network.

Now publishing isn’t expensive any longer.
All you have to do is: OWN SOME WEBSPACE.

Yesterday print, radio and TV were separated by media technology walls.
Yesterday text, audio and video were separated by media technology walls.
Yesterday each medium had its own limited catalogue of storytelling forms.

Now these separations are gone.
There’s a universe of possible mashups:
There are texts with dancing typography.
There are photographs that whisper.
There are audios that show their colors.
There are videos you can walk in.
All you have to do is: CREATE.

Yesterday journalism was static.
Printmedia articles were slices of time.
Radio pieces were slices of time.
TV programs were slices of time.
Readers, listeners, viewers were supposed to consume those slices.
Feedback was not a great deal.

Now journalism is liquid.
It’s about integrating readers, listeners and viewers into journalistic coverage.
Feedback is no longer divided from the story.
It’s part of it. It gives context to it.

And there’s something like a “prefeed”, the sister of “feedback”:
Someone recognizes something noteable.
Others recognize that someone has recognized something noteable.
Then there’s talking about that.
That’s where it all starts:
Cognitions interconnect. Then they condense to news.

On the web this process becomes visible in all its steps.
Prefeed, story and feedback constitute a constant flow of communication.
Journalism evolves into a journey of an interconnected community through time.
There’s no end.
There’s no limit.
There’s just pulsing and repulsing communication.
With accurate double-checking in between.
And all you have to do is: TAKE PART.

So if you own some webspace, if you want to create, if you take part
then publishing is yours.
Your knowledge waits to be known.
Your thoughts wait to be heard.
Your words wait to be read.
Set them free.

And be your own story.
Cause: The journalist is YOU.

Die inhaltliche Linie ist also ganz simpel gehalten: Wenn sich die strukturellen Bedingungen für journalistische Tätigkeit entgrenzen, dann kann heute jedefrau und jedermann journalistisch arbeiten – solange die berufsbezogenen Standards dabei berücksichtigt sind.

Über Rückmeldungen und Anregungen würde ich mich freuen. Posten Sie sie einfach als Kommentar oder schicken Sie mir eine E-Mail.

Herzlichen Dank!

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Der Freitagnachmittaglink: Ein Theaterstück – aufgeführt in einem Buch

7. Oktober 2011

Ausgerechnet das bodenständige Münsterland scheint ungewöhnlich kreative Ideen zu begünstigen. Kristin und Davy McGuire jedenfalls haben dort, im Künstlerdorf Schöppingen, ein magisches Pop-up-Buch geschaffen: Sie projizieren Videofilmsequenzen in Papierkulissen und erzeugen damit verblüffende Effekte. Sehenswert. Im November wird eine Theateradaption ihrer Kunst übrigens in London aufgeführt. Sollte also jemand gerade dort zu tun haben… – ich würd’s mir anschauen.

Der Trailer zur Theateradaption ist dieser:

Ein leckeres Freitagnachmittag-Heißgetränk und ein schönes Wochenende wünscht
Ihnen

Stefan Heijnk




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